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Vernissage: Rudolf Valenta. Rekonstruktion, 23.10.2014

Die Einzelausstellung Rudolf Valentas (*1929) in der Galerie TZB des Tschechischen Zentrums Berlin ist das Ergebnis einer über ein Jahr lang andauernden Diskussion zwischen dem Künstler und den Kuratoren Alexander Peroutka und František Zachoval zu Fragen der aktuellen visuellen Sprache.

Das Ausstellungskonzept setzt sich aus der Rekonstruktion der zwei Installationen Ohne Titel (1978) und TAT (1984) zusammen, ergänzt mit dem Video eines Interviews zu der verschwundenen ortsspezifischen Arbeit Rekonstruktion eines Raumes (1979). Die vorgestellten Projekte sind Kommentare des Künstlers zur Logik, zu den Gesetzen der Architektur und zu Gesellschaftssystemen, die heute ein besonderes Interesse verdienen.

Rudolf Valenta emigrierte 1970 zu Beginn der sogenannten Normalisierung, nach der Niederschlagung des Prager Frühlings, aus der Industriestadt Ostrava über London nach Berlin. An seinem neuen Zufluchtsort erhielt er ein DAAD-Stipendium und reihte sich erfolgreich in die internationale Strömung der Konkreten Kunst ein. In der Tschechischen Republik ist Valenta als Mitorganisator der Symposien Sympózia prostorových forem (1967-1969) und als Mitglied des Klubs der Konkretisten bekannt. Seine Werke sind in den Sammlungen großer Museen vertreten, zum Beispiel in der Neuen Nationalgalerie in Berlin, im Neuen Berliner Kunstverein, im KunstHaus Potsdam oder in der Galerie výtvarného umění in Ostrava. Bis heute lebt und arbeitet er in Berlin.

Die Installation Ohne Titel, die ursprünglich für die Ausstellung Räume (1978) entstanden ist, kontextualisiert das Verlassen der Perspektive (Kubismus) und den Gedanken der Entlastung von Objekten und Gebäuden (Minimalismus und De Stijl) und analysiert Codes des Raumformenprotokolls. Die finale Installation ist mit ihrer analytischen Herangehensweise ein Vorläufer der späteren Arbeit Rekonstruktion eines Raumes (1979), die Valenta für das Ausstellungsprojekt 12 Räume – 12 Künstler in der Lützowstr. 2 schuf. Im Ausstellungsraum erstellte er eine lineare Konstruktion aus dünnen Stahlstäben, die eine um wenige Dutzend Zentimeter verkleinerte Kopie desselben Raumes war. Der Betrachter hatte die Möglichkeit sich nur im engen Durchgang zwischen der Kopie und der Wand des realen Raumes zu bewegen und gleichzeitig die Schatten der Konstruktion zu beobachten, die eine Glühbirne, die im inneren Raum der Konstruktion aufgehängt war, zeichnete. Zur gleichen Zeit widmete sich Niklas Luhmann den grundlegenden Thesen der Beschreibung der Welt mit Methoden der Wirklichkeitsbeobachtung. Er kommt zu dem Schluss, dass eine objektive Sichtweise nur dann entsteht, wenn wir in eine weitere Dimension eintreten: die Beobachtung 2. Ordnung. Der Durchgang zwischen der Konstruktion/Kopie und der Wand des realen Raumes ist eine Dimension, die spezifische Zeichen des gegebenen Systems offenbaren kann, die der Beobachter bei der ersten Stufe der Beobachtung nicht erkennt. Die Ausstellung in der Galerie TZB zeigt eine Dokumentation der ursprünglichen Installation von 1978 und Interviews mit Rudolf Valenta auf Video (2013 – 2014).

Die Installation TAT ist die Rekonstruktion eines Objektes, das für die Ausstellungsreihe Kunst und Natur (1984 – 1993) im Garten von Margeret Raspé 1984 in Berlin realisiert wurde. Nach 1980 definierte Valenta seine Einstellung zur dogmatischen Strömung der Konkreten Kunst um und begann an der Serie NAKO (Natur und Konstruktion) zu arbeiten. TAT ist eine Installation, die uns mitteilt, dass eine Statue/Kunst ein Akt ist, eine menschliche Tat. Die ursprüngliche Installation im Garten hat Elemente von Mimikry, sie wirkt wie ein Bestandteil der Natur. Das Objekt verzichtet auf seine Hoheitsstellung als Kunstwerk, der Sinn der Konstruktion ist auf den ersten Blick nicht klar. Diese bewusst gewählte Unbestimmtheit ist seine Qualität. Die Unbestimmtheit regt zu Fragen nach der Funktion des Werkes an, für wen es bestimmt ist und wer der Betrachter ist.

Ein Teil der Ausstellung in der Galerie TZB wird der Arbeitsplatz des Grafikers Jaroslav Toussaint sein, der vor Ort die Arbeit am Sammelband zu Rudolf Valenta fertigstellen wird. Die Texte und Dokumente untersuchen das kontinuierliche Werk Rudolf Valentas hinsichtlich seines Platzes auf der Karte der (zeitgenössischen) Kunst im heute schon vereinigten (vorher geteilten) Europa. Die Publikation identifiziert genau den Schaffenskontext des tschechischen Künstlers in der Emigration, der in der tschechischen Fachwelt übergangen wurde.

Vernissage:
Donnerstag, 23.10.2014, 19 Uhr

Ausstellungsdauer:
24.10 – 27.11.2014, Mo – Do 14.00 – 19.00 Uhr

Finissage:
Donnerstag, 27.11.2014, 18 Uhr
Präsentation eines Buches mit Texten und Dokumenten zum Werk Rudolf Valentas

Tschechisches Zentrum Berlin
Wilhelmstr. 44/Eingang Mohrenstr., 10117 Berlin

Eintritt frei

Begleitprogramm in Prag:
Exile And Fine Art, internationale Konferenz, 12.11.2014, 10 – 18 Uhr, Akademie der Bildenden Künste in Prag
Teilnehmer: Giles Ji Ungpakorn (Oxford, Politologe); Zdeněk Uherek (Prag, Anthropologe); Stefan Tiron (Bukarest, Kunstkritiker); Lars O Ericsson (Stockholm, Philosoph); Dror Feiler (Stockholm, Politiker, Komponist, Aktionskünstler); Avdej Ter-Oganjan (Prag, Künstler) und weitere.

Das Projekt wird unterstützt von:
Deutsch-tschechischer Zukunftsfonds
Akademie der Bildenden Künste in Prag
The Karte

Pressekontakt:
Katharina Meyer, T: 030 206 09 89 11, E: meyer@czech.cz

Pressemitteilung:

Einladungskarte: