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Pressemitteilungen

Der Weg zur Freiheit. DDR-Bürger in Prag 1989

7.7.-17.9.2011: Die Schwarzweißaufnahmen der tschechischen Fotografin Blanka Lamrová (geb. 1949) zeigen die Situation der DDR-Flüchtlinge in der bundesdeutschen Botschaft in Prag im September 1989. Die Bilder schildern die schwierigen Umstände und die dramatische Lage der DDR-Bürger in der völlig überfüllten Botschaft. Sie zeigen die enorme Anspannung, die Ungewissheit und die Erschöpfung der Menschen, die dort Wochen lang ausharrten und auf ihre Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland hofften. Eine Ausstellung des Tschechischen Zentrums Berlin und des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Fokus DDR – ČSSR. Alltag und Geheimpolizei in zwei kommunistischen Diktaturen"

Auf ihrem täglichen Weg zur Arbeit beobachtete die Fotografin Blanka Lamrová bereits seit dem frühen Sommer 1989 das Geschehen um das Lobkowitz-Palais, den Sitz der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Prag. Mitte August entstanden dann ihre ersten Aufnahmen, aus großem Abstand und heimlich gemacht, da die deutsche Botschaft unter strenger Beobachtung von Polizei und Geheimdienst stand. Es war kein professionelles Interesse, sondern die persönliche Anteilnahme an dem Schicksal der Menschen, die die Fotografin zu den ersten Aufnahmen bewegte. Erst nach weiteren zwei Wochen traute sie sich, die Situation direkt vor der Botschaft zu fotografieren. Als sie dann zum ersten Mal durch den Petřín-Park zu dem hinteren Trakt der Botschaft gelangte, war sie angesichts der im Garten unter freiem Himmel aufgestellten Betten und der bedrängten Situation der Menschen sprachlos. Danach kam sie jeden Tag, um die immer schwierigere Lage zu fotografieren. Sie bewunderte die Menschen, die den Mut, die Entschlossenheit und  die Kraft aufbrachten, alles hinter sich zu lassen - den Beruf, die Familie, die Freunde, ihren gesamten Besitz, ihre Heimat, um in die Freiheit zu gelangen: „Die Sehnsucht nach der Freiheit musste bei ihnen so stark sein, dass sie alles riskierten“, sagt sie dazu. Und die emotionale Anteilnahme der Fotografin an dem Schicksal der Menschen ist in den Aufnahmen spürbar, sie ist der Grund für die starke Authentizität ihrer Bilder.

Blanka Lamrová studierte Fotografie an der Mittleren Gewerbeschule für Graphik in Prag und arbeitet seit 1972 als Fotografin der Nationalgalerie in Prag. Daneben ist sie als freie Fotografin tätig. Sie beschäftigt sich mit Architektur-, Städte-, und Landschaftsaufnahmen sowie dem Porträt und Stillleben. Seit der Mitte der 1970er Jahre beteiligte sie sich an 58 Ausstellungen in der Tschechischen Republik, Italien, Schweden und Polen. Seit der Mitte der 1980er Jahre zeigt sie ihre Arbeiten auch in Einzelausstellungen, insgesamt waren es bisher 26 Einzelausstellungen in der Tschechischen Republik, der Schweiz und in Schweden. Aktuell stellt sie ihre Fotografien mit Veränderungen der tschechischen Industriestadt Kladno im Ethnologischen Museum in Kladno aus. Blanka Lamrová beteiligte sich an der Entstehung von zwei Dokumentarfilmen über die Ereignisse in der bundesdeutschen Botschaft in Prag im September 1989 (für das tschechische öffentlich-rechtliche Fernsehen ČT und für RTL). Sie ist Mitglied des Verbandes der tschechischen Fotografen sowie der Vereinigung der professionellen Fotografen der Tschechischen Republik.

Eröffnung: Donnerstag, 7.7., 19.00 Uhr
Freitag, 8.7. – Sonnabend, 17.9.2011, Mo–Sa, 10–18 Uhr
Bildungszentrum der Stasi-Unterlagen-Behörde, Zimmerstraße 90/91, 10117 Berlin 
Eintritt frei