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„Am Anfang war das Wort.“ Werkschau Pavel Juráček

„Am Anfang war das Wort. Das heißt der Gedanke.“ Mit einem Bibelzitat beginnt der Drehbuchautor und Regisseur Pavel Juráček einen Text über das Drehbuchschreiben, und er erläutert: „Ein Drehbuch ist eine Absicht, und je detaillierter, je genauer die Absicht zu Beginn des Werkes ist, desto größer ist die Hoffnung, dass das Werk die Erwartungen erfüllt.“ An den tschechoslowakischen Film hatte Pavel Juráček (1935–1989) große Erwartungen. In den 1960er Jahren war er einer seiner maßgeblichen Erneuerer. Juráček beherrschte nicht nur unterschiedliche Stoffe und Genres, von Dramen der Gegenwart bis zum Science-Fiction- oder Historienfilm, seine Werke zeichnen sich auch durch hintersinnigen Humor, intellektuelle Vielschichtigkeit und eine bisweilen prophetisch wirkende Klarsicht aus.

In den 1960er Jahren deutet zunächst alles darauf hin, dass Juráček eine glänzende Zukunft bevorsteht. Schon an der Prager Filmhochschule FAMU wird er als talentierter Drehbuchautor geschätzt. Juráček liefert Ideen für seine Kommilitonin Věra Chytilová (Strop) und adaptiert mit Nikdo se nebude smát einen Stoff von Milan Kundera. Karel Zeman, der Altmeister des phantastischen Animationsfilms, wählt ihn als Drehbuchautor für Bláznová kronika.

Gleich Juráčeks erste Regiearbeit, die anti-stalinistische Bürokratie-Satire Postava k podpírání, wird auf den Westdeutschen Kurzfilmtagen in Oberhausen und auf dem Internationalen Filmfestival Mannheim ausgezeichnet. 1968 beauftragt man ihn und Jaroslav Kučera mit der Leitung einer Produktionsgruppe in den Filmstudios Barrandov, in der er sich für die Entstehung wichtiger Filme unter anderem von Věra Chytilová und Jiří Menzel einsetzt. Seinen Opus Magnum Případ pro začínajícího kata, eine vielschichtige Allegorie auf die Verhältnisse im realen Sozialismus, kann Juráček 1969 fertigstellen.

Mit dem Antritt neostalinistischer Machthaber wendet sich jedoch sein Schicksal und Juráček selbst wird zum Opfer jener Verhältnisse, die er in seinen Filmen so klug analysiert und kritisiert hat. Případ pro začínajícího kata wird nach wenigen Vorführungen verboten. 1971 erhält er die Kündigung der Filmstudios Barrandov, ihm wird ein Arbeitsverbot erteilt, seine Filme werden auf den Index gesetzt. Nach Unterzeichnung der Charta 77 nimmt der Druck der Staatssicherheit zu und Juráček beschließt, nach München zu emigrieren. Hier plant er neue Projekte, doch realisieren kann er keines. Nach sechs Jahren Exil kehrt Juráček physisch und psychisch zerstört in die Tschechoslowakei zurück. Sein Filmschaffen endet grotesk: Bevor Juráček ein halbes Jahr vor der Samtenen Revolution stirbt, gestattet man ihm, noch einen Film zu drehen: einen Lehrfilm für Fahrkartenkontrolleure der Prager Verkehrsbetriebe.   

Die Werkschau Pavel Juráček ist eine Kooperation des Tschechischen Zentrums Berlin und des Zeughauskinos, mit freundlicher Unterstützung durch das Nationale Filmarchiv Prag.

Freitag, 24.1. – Dienstag, 18.2.2020
Zeughauskino, Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, Eingang Spreeseite
Eintritt: 5,- EUR
Das komplette Programm und alle Filmtexte finden Sie hier: https://www.dhm.de/zeughauskino/filmreihen/am-anfang.html

 

 


 

 

Konec srpna v hotelu Ozon / Late August at the Hotel Ozone

Ein erst auf Russisch, dann in anderen Sprachen gezählter Countdown kündet vom Untergang der menschlichen Zivilisation. Eine alte Frau schaut zurück in die Vergangenheit, die Jahresringe eines Baumstamms dienen ihr als Kalender. Sie führt eine Gruppe von jungen Frauen an, die auf der Suche nach Männern sind, um die Menschheit vor dem Aussterben zu retten. Doch die Frauen haben die zivilisierte Welt nicht mehr kennengelernt und sind ohne Vorstellungen von Moral und Gewissen aufgewachsen.

Endzeitvisionen waren nicht gerade typisch für das Filmschaffen in der sozialistischen Tschechoslowakei, auch in den liberalen 1960er Jahren nicht. Eine bemerkenswerte Ausnahme ist dieser Film von Pavel Juráček und Jan Schmidt. Er wirkt noch düsterer, wenn man in Betracht zieht, wo Teile des Films gedreht worden sind: in der nach der Vertreibung der Deutschen menschenleeren Stadt Doupov (deutsch: Duppau), die seit 1955 Teil eines militärischen Sperrgebiets war und später völlig zerstört wurde. Wie ein höhnischer Kommentar auf die filmische Post-Apokalypse liest sich die deutsche Inschrift in der zerstörten Kirche: „Es ist vollbracht“.

Konec srpna v hotelu Ozon / Late August at the Hotel Ozone
CS 1967, R: Jan Schmidt, B: Pavel Juráček, Jan Schmidt, K: Jiří Macák, D: Ondrej Jariabek, Beta Poničanová, Magda Seidlerová, Hana Vítková, Jana Nováková, Vanda Kalinová, 78´ · 35mm, OmeU

FR 24.01. um 20 Uhr + DI 11.02. um 20 Uhr · Am 24.01.: Eröffnung der Retrospektive · Einführung: Matěj Strnad (Nationales Filmarchiv Prag)

 


 

Postava k podpírání / Joseph Kilian

Jan Herold irrt durch Prag. Er ist auf der vergeblichen Suche nach Joseph Kilian, dem er etwas ausrichten soll. In einer der Straßen der Altstadt entdeckt er ein kleines Geschäft, in dem Katzen verliehen werden, und nimmt eines der Tiere mit nach Hause. Als er die Katze zurückgeben will, bleibt das Geschäft unauffindbar. Aus Angst vor einer Strafgebühr begibt sich Herold auf die Suche nach einem Verantwortlichen. Er irrt durch Amtsstuben, Wartezimmer, die Straßen der Stadt – und an dem leeren Hügel vorbei, auf dem bis vor kurzem noch ein riesiges Stalin-Monument thronte.
Seine erste Regiearbeit, die er zusammen mit Jan Schmidt realisierte, bezeichnete Pavel Juráček als „kafkaeske Abbildung absurder Situationen, die mit der Epoche des Kultes zusammenhängen, dessen Absurdität wir nicht in der Lage waren zu begreifen“. Mit dieser Satire auf die stalinistische Bürokratie gewann er 1964 den Hauptpreis der Kurzfilmtage Oberhausen und fand erstmals internationale Beachtung.

Im Anschluss an die Filmvorführung finden eine Lesung aus Tagebuchtexten von Pavel Juráček und ein Gespräch mit dem Herausgeber Pavel Hájek (Václav-Havel-Bibliothek, Prag) statt.

Postava k podpírání / Joseph Kilian
CS 1963, R: Pavel Juráček, Jan Schmidt, B: Pavel Juráček, Jan Schmidt, K: Jan Čuřík, D: Karel Vašíček, Consuela Morávková, Ivan Růžička, Pavel Bártl, Jiří Stivín, Pavel Šilhánek, 38´ · DCP, OmeU

SA 25.01. um 20 Uhr · Lesung und Gespräch mit Pavel Hájek (Václav-Havel-Bibliothek, Prag)

 

 


 

Případ pro začínajícího kata / Case for the New Hangman

Juráčeks dritte und zugleich letzte Regiearbeit entstand frei nach Jonathan Swifts Roman Gullivers Reisen und führt in das seltsame Land Balnibarbi. Dessen Einwohner interessieren sich nicht für die Wahrheit, lieber befolgen sie absurde Regeln und leben ihr gewohntes Leben in Selbsttäuschung. Merkwürdige Gesetze wie ein wöchentlich wiederkehrendes Redeverbot sind in Balnibarbi von „denen dort oben“ erlassen worden – vom König in der Hauptstadt Laputa. Gulliver gelingt es, in die über dem Lande schwebende Stadt zu gelangen und ein streng gehütetes Geheimnis aufzudecken. Als er den Bewohnern von Balnibarbi sein Wissen offenbaren will, wird es für ihn gefährlich.
Případ pro začínajícího kata
wurde in den wenigen Monaten der Jahre 1968 und 1969 gedreht, in denen die Zensur noch nicht wieder funktionierte. Schon nach wenigen Aufführungen wurde der Film jedoch verboten, weil der sarkastische Humor und der Hang zum Surrealen für die Machthaber unerträglich waren. Regisseur Pavel Juráček wurde mit einem Arbeitsverbot bestraft und später in die Emigration getrieben.

Případ pro začínajícího kata / Case for the New Hangman
CS 1970, R/B: Pavel Juráček, K: Jan Kališ, D: Lubomír Kostelka, Pavel Landovský, Klára Jerneková, Milena Zahrynowská, Luděk Kopřiva, Slávka Budínová, 103´ · DCP, OmeU

SO 26.01. um 18.30 Uhr + DI 28.01. um 20 Uhr · Einführung am 26.01.: Matěj Strnad (Nationales Filmarchiv Prag)

 

 


 

Hlídač dynamitu / Der Wächter des Dynamits
Strop / Ceeling
Černobílá Sylva / Black-and-White Sylva

Nach drei Jahren Dramaturgie-Studium an der Prager Filmhochschule FAMU erhielt Pavel Juráček die Gelegenheit, ein Drehbuch für seinen älteren Kommilitonen Zdenek Sirový zu schreiben. Die Vorlage war jedoch festgelegt: eine Erzählung von Jan Drda über tschechische Helden des Widerstands im Zweiten Weltkrieg. Arbeiter in einem Steinbruch wollen Partisanen unterstützen, dafür zweigt der alte Dynamit-Verwalter heimlich etwas von den Vorräten ab. Die deutschen Besatzer kommen ihm jedoch bald auf die Spur. Obwohl sich Juráček später von diesem Film distanzierte, lief er recht erfolgreich im Kino.

Schon ein Jahr später änderte die FAMU ihre Vorgaben und die Studenten durften nun Autorenfilme nach eigenen Vorlagen drehen. Pavel Juráček wurde von Věra Chytilová um Mithilfe gebeten, nachdem das Drehbuch für ihren Absolventenfilm Strop abgelehnt worden war. Die später weltberühmte Regisseurin erzählt in erfrischender Filmsprache von der jungen Marta, die als Mannequin arbeitet, dann aber plötzlich am Sinn ihrer oberflächlichen Scheinwelt zu zweifeln beginnt.

1961 begann auch Juráčeks Zusammenarbeit mit Jan Schmidt. Ihr erstes gemeinsames Werk war der provokante Film Černobílá Sylva, eine witzige Abrechnung mit den plakativen Filmen der 1950er Jahre, die damals für Furore sorgte: Mit der Kelle in der Hand fällt die junge Maurerin Sylva aus einem Agitpropfilm heraus, in dem sie die bessere Zukunft gebaut und unablässig besungen hatte. Im wahren Leben kann sie jedoch nicht bestehen – allein die Filmstudenten interessieren sich für sie und versuchen sie umzuerziehen.

Hlídač dynamitu / Der Wächter des Dynamits
CS 1960, R: Zdenek Sirový, B: Pavel Juráček, K: Milan Duda, D: Eman Fiala, Eva Svobodová, L. H. Struna, Ladislav Kazda, Ladislav Mrkvička, Zdeněk Kutil, 22´ · 35mm, OmU

Strop / Ceeling
CS 1961, R: Věra Chytilová, B: Věra Chytilová, Pavel Juráček, K: Jaromír Šofr, D: Marta Kaňovská, Julián Chytil, Jaroslav Satoranský, Josef Abrhám, Ladislav Mrkvička, Jiří Menzel, Miloš Forman, 42´ · DCP, OmeU

Černobílá Sylva / Black-and-White Sylva
CS 1961, R: Jan Schmidt, B: Pavel Juráček, K: Vladimír Kulčický, D: Zuzana Stivínová, Václav Sloup, Felix le Breux, Lubomír Lipský, Jiří Lír, Jan Přeučil, 27´ · DCP, OmeU

DO 30.01. um 20 Uhr

 

 


 

Bláznova kronika / A Jester's Tale

Für diese im Dreißigjährigen Krieg angesiedelte Geschichte hat sich der Meister des tschechischen Animationsfilms Karel Zeman mit Pavel Juráček einen Drehbuchautor gesucht, der sich mit klugem Humor der absurden Seiten von Kriegen und Machtkämpfen annimmt und so eine zeitübergreifende Geschichte vom ewigen Wendehalstum erzählt. Auf der visuellen Ebene verbindet Karel Zeman animierte Bilder mit Schauspielsequenzen zu der für ihn so typischen Ästhetik.
Der junge Bauer Petr fällt Anwerbern der Armee in die Hände und wird zwangsrekrutiert. Bei einer vernichtenden Schlacht kämpft er an der Seite des älteren und erfahrenen Matěj. Nur durch ein Missgeschick überleben die beiden als Einzige. Auf ihrer anschließenden Flucht stoßen sie auf eine verlassene Kutsche mit teuren Kleidern und anderen Schätzen, werden jedoch kurz darauf von den Soldaten eines Schlossherren gefangengenommen. Diese halten Petr und Matěj für Edelleute auf Seiten der unterlegenen feindlichen Armee und sperren sie ins Verlies. Als sich das Kriegsschicksal wendet und die feindliche Armee auf dem Vormarsch ist, steht plötzlich die Schlossherrin persönlich in ihrer Zelle, überhäuft sie mit leckeren Speisen und erklärt, die Dienerschaft habe wohl nur die Zimmer verwechselt. Doch schon bald weht der Sturmwind der Geschichte wieder von der anderen Seite…

Bláznova kronika / A Jester's Tale
CS 1964, R: Karel Zeman, B: Karel Zeman, Pavel Juráček, K: Václav Huňka, D: Petr Kostka, Miloslav Holub, Emília Vášáryová, Valentina Thielová, Karel Effa, Eva Šenková, 82´ · DCP, OmeU

FR 31.01. um 21 Uhr



 

Nikdo se nebude smát / Nobody Gets the Last Laugh

Karel Klíma, Assistent an der Akademie der Bildenden Künste, führt ein sorgloses Leben. Gerade hat eine angesehene Zeitschrift einen Artikel von ihm veröffentlicht und seine hübsche Freundin Klára ist zu ihm gezogen. Da erhält er einen Brief von einem Herrn Záturecký, der ihn um ein Gutachten zu seiner kunstwissenschaftlichen Studie bittet, die Klíma allerdings nicht gelesen hat und auch nicht mehr finden kann. Klíma schreibt einen ausweichenden Brief, doch Záturecký fordert das Gutachten um jeden Preis und beginnt, den Assistenten systematisch zu verfolgen. Lange lässt sich Klíma verleugnen, dann sucht er nach der verlegten Studie, nur um festzustellen, dass sie wertlos ist. Das aber traut er sich dem Autor nicht ins Gesicht zu sagen. Was als harmlose Geschichte beginnt, wird im Laufe der Zeit zu einer Bedrohung für Klímas gesamtes Leben…
Das Drehbuch schrieb Pavel Juráček nach der gleichnamigen Novelle von Milan Kundera. Dessen etwas thesenhafte Figuren erweckt Juráček zum Leben, lässt sie witzige, bisweilen sogar prophetische Dialoge führen, die bis heute nicht an Bedeutung verloren haben.

Nikdo se nebude smát / Nobody Gets the Last Laugh
CS 1965, R: Hynek Bočan, B: Hynek Bočan, Pavel Juráček, K: Jan Němeček, D: Jan Kačer, Štěpánka Řeháková, Josef Chvalina, Hana Kreihanslová, Jaromír Spal, Zdeněk Hodr, Radoslav Brzobohatý, 94´ · DCP, OmeU

SA 01.02. um 19 Uhr

 

 


 

Každý mladý muž / Every Young Man

Die erste eigenständige Regiearbeit von Pavel Juráček umfasst zwei Episoden, zu denen ihn sein Militärdienst inspiriert hatte. Wie von den Dramaturgen der Filmstudios Barrandov gefordert, greift Juráček ein aktuelles Thema auf. Anders als gewünscht richtet er jedoch seinen Blick auf die absurden Seiten des Soldatenalltags. Die Groteske Achillovy paty erzählt von einem Soldaten mit einer entzündeten Achillesferse, der in Begleitung eines Gefreiten zum Arzt fährt. Zunächst distanziert sich der Ältere von seinem jungen, naiven Begleiter, die Sehnsucht nach den unerreichbar schönen Frauen in der zivilen Welt bringt sie einander dann jedoch näher. In einer Nebenrolle ist der Dramatiker, Dissident und spätere Staatspräsident Václav Havel zu sehen, mit dem Pavel Juráček befreundet war.
Auch in der zweiten, titelgebenden Komödie drehen sich alle Gedanken und Gespräche der Soldaten nur um Frauen. Nach einem Manöver darf ein Tanzabend in der Kaserne stattfinden. Zwei Soldaten fahren mit einem Bus los, um die Frauen der Umgebung abzuholen. Sie erleben jedoch eine Überraschung.

Každý mladý muž / Every Young Man
CS 1966, R: Pavel Juráček, B: Pavel Juráček, K: Ivan Šlapeta, D: Pavel Landovský, Ivan Vyskočil, Hana Růžičková, Otto Šimánek, Helena Růžičková, Václav Havel, 83´ · DCP, OmeU

DI 04.02. um 20 Uhr + SA 08.02. um 21 Uhr

 

 


 

Klíč k určování trpaslíků aneb Poslední cesta Lemuela Gullivera / The Key for Determining Dwarfs or The Last Travel of Lemuel Gulliver
Vorprogramm: Postava k podpírání / Joseph Kilian

Der tschechische Regisseur und Drehbuchautor Pavel Juráček war ein genauer, analytisch denkender Beobachter seiner Zeit und ein fast manischer Tagebuchschreiber. Aus den von ihm hinterlassenen tausenden Seiten mit Aufzeichnungen wählte Martin Šulik Notizen der Jahre 1964 bis 1971 aus, in denen Juráček über sein kompliziertes Privatleben, gesellschaftliche Ereignisse wie den Prager Frühling und dessen Niederschlagung, über die Hochzeit der Tschechoslowakischen Neuen Welle und den darauffolgenden Niedergang der Kinematografie sowie über die langwierige Arbeit an seinem filmischen Opus Magnum Případ pro začínajícího kata schreibt, das einige Zeit den Arbeitstitel Klíč k určování trpaslíků (Schlüssel zur Bestimmung von Zwergen) trug. Die Textcollage verbindet Šulik geschickt mit Archivmaterial und zeitgenössischen Fotos sowie mit nachgespielten Szenen, in denen Pavel Juráčeks Sohn Marek in die Rolle seines Vaters schlüpft.

Als Vorfilm läuft Juráčeks erste Regiearbeit aus dem Jahr 1963, die kafkaeske Bürokratiesatire Postava k podpírání, in der er und Co-Regisseur Jan Schmidt sich mit dem stalinistischen Personenkult und seinen Folgen auseinandersetzen.

Klíč k určování trpaslíků aneb Poslední cesta Lemuela Gullivera / The Key for Determining Dwarfs or The Last Travel of Lemuel Gulliver
CZ 2002, R: Martin Šulík, B: Martin Šulík, Jan Lukeš, K: Martin Štrba, D: Marek Juráček, Edita Levá, Julie Ritzingerová, Šárka Dvořáková, Eliška Doušová, 58‘ · Digital SD, OmeU

Vorprogramm

Postava k podpírání / Joseph Kilian
CS 1963, R: Pavel Juráček, Jan Schmidt, B: Pavel Juráček, Jan Schmidt, D: Karel Vašíček, Consuela Morávková, Ivan Růžička, 38´ · DCP, OmeU

DO 06.02. um 20 Uhr

 

 


 

Ikarie XB 1

Der Science-Fiction-Film nach einer Vorlage von Stanisław Lem spielt zweihundert Jahre nach den Dreharbeiten und hat in Tschechien inzwischen Kultstatus. Das Raumschiff Ikarie XB1 mit seiner vierzigköpfigen internationalen Besatzung ist unterwegs zum Sonnensystem Alpha Centauri. Die Wissenschaftler hoffen dort Leben zu finden. Auf der langen Reise kämpft die Besatzung nicht nur mit Bedrohungen aus dem All, wie der Strahlung eines dunklen Sterns oder der tödlichen Gefahr, die von einem alten, mit Atomwaffen bestückten Raumschiff ausgeht, sondern auch mit zwischenmenschlichen Konflikten, Einsamkeit und einer seltsamen Schlafkrankheit an Bord der Ikarie XB 1.
Mit seinem modernen Set- und Kostümdesign, dem elektronischen Soundtrack und der progressiven schwarz-weißen Bildgestaltung im Cinemascope-Format zeichnet Ikarie XB 1 eine phantastische Vision der fernen Zukunft. Obwohl Juráček das Drehbuch mehrmals umschreiben musste, weil seine Helden den Dramaturgen charakterlos und zu melancholisch schienen, gelang es ihm, die menschlichen Charakterzüge der Protagonisten zu erhalten und sie nicht zu schematischen Vorzeigekommunisten der Zukunft erstarren zu lassen.

Ikarie XB 1
CS 1963, R: Jindřich Polák, B: Pavel Juráček, Jindřich Polák, K: Jan Kališ, D: Zdeněk Štěpánek, Radovan Lukavský, Dana Medřická, Miroslav Macháček, František Smolík, Jiří Vršťala, 88´ · DCP, OmeU

SA 15.02. um 21 Uhr + DI 18.02. um 20 Uhr

 


 

Alle Fotos: Copyright Národní filmový archiv