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Deutsch-tschechische Corona-Geschichten: Stacheldraht im Harnkanal

Ob es etwas zu bedeuten hat, dass der in Prag geborene, seit mehr als vierzig Jahren in Berlin lebende Autor Jan Faktor seine Corona-Geschichte am 1. April verfasste? Vielleicht behalten Sie diese Frage im Hinterkopf, wenn Sie seinen Text Stacheldraht im Harnkanal oder Jedes Zeitalter braucht seine Musik mit Kernkompetenz lesen …

Als Jan Faktor im Oktober 2018 im Tschechischen Zentrum Berlin zu Gast war, stellte er zusammen mit seiner Frau Annette Simon ihre erste deutsche Übersetzung von Ivan Blatnýs Gedichtband Hilfsschule Bixley vor. Auch in der Vergangenheit hatte Jan Faktor schon Lyrik von Vítězslav Nezval oder Jaroslav Seifert ins Deutsche übersetzt, bekannt geworden ist er jedoch als Schriftsteller. Nach einem Studium der Datenverarbeitung und seiner Tätigkeit als Programmierer in Prag übersiedelte er 1978 zu seiner Frau nach Ostberlin. Hier engagierte sich Jan Faktor in der inoffiziellen Literaturszene, gab Lesungen für Eingeweihte und veröffentlichte in kleinen Zeitschriften. Nach der Wende wurde er freischaffender Autor, schrieb u. a. den Zyklus Körpertexte oder den Roman Schornstein, beide wurden mit wichtigen Literaturpreisen ausgezeichnet. Unter dem Titel Mein Leben als Gebrauchsangewiesener Mensch in der DDR hielt Jan Faktor realsatirische Diavorträge über Gebrauchsanweisungen aus der DDR, er arbeitete mit dem Choreographen Johannes Bönig und seinen Tänzern an TanzText-Auftritten zusammen, die sie dann im In- und Ausland präsentierten. Jan Faktors bekanntestes Werk ist der Roman Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag, er wurde für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und war auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2010. Im gleichen Jahr erhielt der Autor den Candide-Preis für sein Gesamtwerk. 2015 erschien die tschechische Neufassung des Romans Jiříkovy starosti o minulost.

 

Hier können Sie die Geschichte in den Dateiformaten pdf, mobi oder epub herunterladen:

 

 

In der nächsten Woche können Sie hier einen Text des tschechischen Autors Radek Fridrich lesen.

 

„Deutsch-tschechische Corona-Geschichten“ ist eine literarische Initiative des Tschechischen Zentrums Berlin für die Zeit, in der wegen der Corona-Pandemie keine Lesungen veranstaltet werden können. Autor*innen aus Tschechien und Deutschland erzählen kurze Geschichten davon, wie sie oder ihre literarischen Helden diese nie da gewesenen Wochen erleben. Das Tschechische Zentrum Berlin veröffentlicht die Texte in deutscher Sprache wöchentlich auf seiner Homepage.

 

Foto: Jan Faktor © Jan Mařák