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Programm

04.05.2006 00:00 - 29.06.2006 00:00

Vortragsreihe: Die Prager Universität Karls IV.

Katalysator der deutsch-tschechischen Beziehungen durch die Jahrhunderte
Vortragsreihe im Sommersemester 2006 an der Humboldt-Universität zu Berlin 4. Mai bis 29. Juni • Donnerstags 18–20 Uhr

 

Experten aus Tschechien, Deutschland und Finnland erörtern in acht Vorträgen die spannendsten Perioden in der Geschichte der Karlsuniversität unter Berücksichtigung der deutsch-tschechischen Beziehungen. Dabei wird von der Idee der übernationalen Gründung ausgegangen und die Frage nach dem Charakter der tschechisch-deutschen Verbindungen sowie nach den Ursachen für die Vertiefung der Gegensätze gestellt. Besondere Aufmerksamkeit erfährt die Geschichte der deutschen Universität in Prag, die in letzter Zeit zunehmend in das Blickfeld historischer Forschung gerückt ist.

 

ORT

Institut für Slawistik der Humboldt-Universität zu Berlin, Dorotheenstraße 65, Raum 557

 

4. Mai 2006

Prag als europäische Universität: von der Gründung durch Karl IV. bis 1409

Prof.Dr. Christian Krötzl, Lehrstuhl für Allgemeine Geschichte der Universität Tampere

Einführung: Prof.Dr. Michael Kämper-van den Boogaart, Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin

Die Universität Prag war die erste Universitätsgründung (1347/48) im gesamten mittel-, ost- und nordeuropäischen Raum. Professoren und Studenten strömten aus allen Himmelsrichtungen herbei. Diese sozial integrative Funktion macht die frühe Prager Universität so einzigartig. Erst der durch die hussitischen Wirren und das erwachende Nationalbewusstsein verursachte Umzug der deutschen und skandinavischen Studenten an die Universität Leipzig im Jahre 1409 bereitete dieser europäischen Rolle der Prager Universität vorläufig ein Ende.

 

11. Mai 2006

Das Kuttenberger Dekret 1409 und die Entstehung des Universitätsnetzes in Mitteleuropa

PhDr. Michal Svatoš, CSc., Direktor des Instituts für die Geschichte der Karlsuniversität Prag – Archiv der

Karlsuniversität

Einführung: Dr. Martina Winkler, Lehrstuhl Geschichte Osteuropas der Humboldt-Universität zu Berlin

Mit dem Kuttenberger Dekret von 1409 legte König Wenzel (Václav) IV. fest, dass die heimische Universitätsnation in allen universitären Entscheidungen drei Stimmen haben sollte – im Unterschied zur jeweils einen Stimme der drei bayerischen, polnischen und sächsischen Universitätsnationen. Der Auszug von Magistern und Studenten dieser »fremden« Universitätsnationen aus Protest gegen das Dekret führte unter anderem zur Gründung einer neuen Universität in Leipzig (1409). Zu den langfristigen Auswirkungen des Wenzelsdekrets gehört daher die Schaffung eines Netzes von »Landesuniversitäten « im Deutschen Reich und Mitteleuropa.

 

18. Mai 2006

Erste institutionelle Konkurrenz in Prag: die utraquistische Prager Universität und die jesuitische Akademie

Prof. PhDr. Jiří Pešek, CSc., Direktor des Instituts für deutsche und österreichische Studien der Karlsuniversität Prag

Einführung: Prof.Dr. phil. Hans Dieter Zimmermann, Institut für Literaturwissenschaften der Technischen Universität Berlin

Die Prager Universität erlebte in den zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderts eine Epoche der religiösen Wirren. Die deutsche Reformation und eine intensive Ausstrahlung des Melanchthonschen Humanismus beeinflussten die Hochschule, die vom sich seit 1415 ausbreitenden böhmischen Utraquismus geprägt war. Im Jahre 1562 nahm die jesuitische Akademie ihre Tätigkeit auf. Es entstand ein Wettstreit, der 1620 politisch im Zusammenhang mit der Schlacht am Weißen Berg zugunsten der Jesuiten entschieden wurde. 1622 wurde ihnen auf Weisung Kaiser Ferdinands III. die protestantische

Universität übergeben.

 

1. Juni 2006

Die Vereinigung durch Ferdinand III. und die Universitätsreformen im 18. und 19. Jahrhundert

Doz. PhDr. Ivana Čornejová, CSc., Institut für Geschichte der Karlsuniversität Prag – Archiv der Karlsuniversität

Einführung: Prof.Dr. phil. Günter Schödl, Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin

Nach 1622 führten die verschiedenen Auffassungen über die Rekatholisierungspraxis zu einem Streit zwischen dem Prager Erzbischof und den Jesuiten. Diese Widersprüche wurden erst 1654 durch das so genannte Unionsdekret Kaiser Ferdinands III. beseitigt, und die Prager Universität wurde nun Karl-Ferdinands-Universität genannt. Die Universitätsreformen Maria Theresias und Josefs II. führten insbesondere zu einer Verstärkung der staatlichen Kontrolle und nach der Aufhebung des Jesuitenordens zu einer Verstaatlichung der Universität. Nach der Revolution von 1848 wurde mit den Reformen des Grafen Leo Thun nach dem Vorbild der Humboldtschen Reformen die Lehrfreiheit eingeführt. 1882/83 wurde die Prager Universität in eine deutsche und eine tschechische Universität geteilt.

 

8. Juni 2006

Mentalitätsgeschichte des Philosophischen Seminars der deutschen Universität Prag in Abgrenzung zur tschechischen Universität: 1882–1918

Doz.Dr. Georg Gimpl, Dozent für Ideen- und Wissenschaftsgeschichte und Lektor für deutsche Sprache und österreichische Literatur an der Universität Helsinki

Einführung: Dr. Hanna Nogossek, Deutsches Kulturforum östliches Europa, Potsdam

»Eine absolute Scheidewand trennt Tschechen von Deutschen; vor allem die Deutschesten der Deutschen, die Professoren der deutschen Universität.« Dies der frische Eindruck des Philosophen Friedrich Jodl (1849–1914) anlässlich seines Amtsantritts drei Jahre nach der Teilung der Prager Universität. In diesem Vortrag geht es um die Abgründe und Kapriolen einer zunehmenden Selbstghettoisierung des Philosophischen Seminars an der deutschen Prager Universität um die Jahrhundertwende.

 

15. Juni 2006

Die tschechische Universität in Prag in Konkurrenz zur deutschen Universität: 1882–1939

Prof. em. Dr. Hans Lemberg, Osteuropahistoriker, 1973–1981 Universität Düsseldorf, 1981–1998 Philipps-Universität Marburg

Einführung: Prof. em. Dr. Bedřich Loewenstein, emeritierter Professor für Neuere europäische Geschichte der Freien Universität Berlin

In diesem Vortrag wird die Epoche der Prager Universitätsgeschichte behandelt, in der – damals einzigartig in Europa – zwei nach dem nationalen Prinzip unterschiedene Universitäten nebeneinander in einer Stadt bestanden. Besonderes Augenmerk wird auf die Situation nach der Gründung der Tschechoslowakei 1918 gelenkt, in der die deutsche Universität zu derjenigen einer nationalen Minderheit wurde. Erst nach der Zerschlagung der Republik durch das Dritte Reich im Jahr 1939 wurde die Konkurrenz der Universitäten mit der Schließung der tschechischen Universität gewaltsam beendet. Damit war auch die Katastrophe der deutschen Universität im Jahr 1945 vorgebahnt.

 

22. Juni 2006

Der Prager Linguistik-Zirkel: internationale Zusammenarbeit zwischen Abstraktion und Geopolitik

Dr. Tomáš Glanc, Institut für slawische und osteuropäische Studien der Karlsuniversität

Einführung: Prof.Dr.Wolfgang Gladrow, Institut für Slawistik der Humboldt-Universität zu Berlin

Der 6. Oktober 1926 ist das Geburtsdatum des Prager Linguistik- Zirkels, der als eine der einflussreichsten geisteswissenschaftlichen Institutionen des 20. Jahrhunderts gilt. Wie jede bahnbrechende intellektuelle Initiative hatte auch der Zirkel eine vielseitige Vorgeschichte, die rückblickend interpretiert werden kann. Der Vortrag rekapituliert die Gründungsphase des Prager Linguistik-Zirkels und hebt seine territorial-politischen und wissenschaftlichen Aspekte hervor.

 

29. Juni 2006

Die Deutsche Universität in Prag nach der Gründung der Tschechoslowakei und im Zweiten Weltkrieg

Doz. PhDr. Alena Míšková, Archiv der Tschechischen Akademie der Wissenschaften

Einführung: Prof.Dr. Peter Zajac, Institut für Slawistik der Humboldt-Universität zu Berlin

Die Prager Deutsche Universität nahm in den 1930er Jahren eine wohlwollende Haltung gegenüber den deutschen Emigranten ein und hatte einen hohen Anteil jüdischer Dozenten und Studenten. Nationalsozialistisches Gedankengut fand eher unter den Studenten Anklang, weniger bei den Hochschullehrern. Im Wintersemester 1938/1939 kam es zur »Gleichschaltung«. 1940 wurde mit dem SS-Standartenführer und Agrarwissenschaftler Wilhelm Saure ein neuer Rektor eingestellt, der Prag zu einem Forschungszentrum für Südund Osteuropa und für Rassenstudien machen wollte. Mit Reinhard Heydrichs Antritt als Reichsprotektor von Böhmen und Mähren in Prag im Herbst 1941 begann eine neue Periode der Denunziationen. Noch am 5. Mai 1945 promovierten in Prag deutsche Studenten. Am 18. Oktober 1945 wurden die deutschen Hochschulen durch ein Präsidialdekret mit rückwirkender Gültigkeit zum 17. November 1939 aufgelöst.

 

 

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Veranstaltungsort:

Wilhelmstraße 44 / Eingang Mohrenstraße
10117 Berlin
Deutschland

Datum:

Von: 04.05.2006 00:00
Bis: 29.06.2006 00:00

Veranstalter:

Tschechisches Zentrum, Humboldt-Universität


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