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Programm

05.04.2012 - 30.04.2012

Yael Ben-Horin: OUTSID(H)ER

In ihrer Ausstellung zeigt die in Prag lebende israelische Künstlerin Yael Ben-Horin Montagen von Familienfotos und Gesichtern, die von Homepages mit Kinderpornografie heruntergeladen sind. Die Bilder erzählen die Geschichte eines verlorenen Mädchens, das aus sich selbst herausgetreten ist und schwebt, um sich von dem Schweigen zu befreien, das ihr mit Gewalt aufgezwungen wurde.

Im Hintergrund der Geschichte gibt es viele Familien, und das Mädchen wird für kurze Zeit zu einem ganz gewöhnlichen Kind.

Die Serie von kleinformatigen manipulierten Bildern stellt eine intime Sonde in tragische Momente eines kindlichen Lebens dar. Die Künstlerin hat eine Collage aus banalen Situationen und pornografischen Fotos erschaffen, vor denen man vielleicht für kurze Zeit, vielleicht auch für länger die Sprache verliert.

Ihr Projekt beschreibt Yael Ben-Horin wie folgt:
Sexueller Missbrauch von Kindern ist ein globales, gender-orientiertes Problem, das sich kaum durch Statistiken beschreiben lässt. Die westlichen Gesellschaften haben in dieser Erscheinung lange Zeit eine private und beschämende Angelegenheit von geringer gesellschaftspolitischer Bedeutung gesehen. Es ist vor allem den Anstrengungen von Frauenrechtlerinnen und Vorkämpfern für die psychische Gesundheit zu verdanken, wenn der Missbrauch von Kindern in den letzten Jahrzehnten als sozial-politisches Phänomen umgedeutet und in einen anderen Kontext gestellt worden ist. Und obwohl Gesetzgebung, Soziologie, Psychologie und die Medien dieser Erscheinung immer wieder ihre Aufmerksamkeit widmeten, sind die mit ihr verbundenen Tabus und Stereotypen noch lange nicht überwunden oder wenigstens abgeschwächt. So haben die Mainstream-Medien die Tendenz, die Abweichung der Täter von der Norm dadurch zu unterstreichen, dass sie als Teil einer wahnsinnigen, abartigen Minderheit von Sex-Monstern dargestellt werden. Es ist jedoch schlüssig bewiesen, dass die Täter aus allen Bereichen des sozio-ökonomischen Spektrums stammen, und dass die Mehrzahl von ihnen im Stande ist, ein absolut normales Leben zu führen. Wenn sich ein Opfer entschließt, den Täter anzuzeigen, stehen ihm erniedrigende Erfahrungen und ein langer Gang durch die Instanzen bevor, der sehr wahrscheinlich mit einer Enttäuschung für die Opfer und geringen Strafen für die Täter endet. Ein „Coming-out“ wäre für die Opfer von sexuellem Missbrauch deshalb eine so schmerzhafte und anstrengende Erfahrung, dass die meisten von ihnen dazu weder die nötigen finanziellen Mittel noch die psychische Stabilität aufbringen können. Die soziale Struktur der westlichen Gesellschaften bietet also bei weitem keinen sicheren Raum für die Stimmen der Opfer. Deshalb geht das unerträgliche Schweigen bis heute Jahrzehnt um Jahrzehnt weiter, nur mit gewissen technischen Verbesserungen.

www.werkstadt-berlin.com

Vernissage: Donnerstag, 05.04.2012, 19:00

Veranstaltungsort:

WerkStadt, Kulturverein Berlin e.V. , Emser Straße 124, 12051 Berlin

Datum:

Von: 05.04.2012
Bis: 30.04.2012

Veranstalter:

Mit Unterstützung des Tschechischen Zentrums Berlin


Veranstaltungserinnerung
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