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Programm

14.06.2015

Jan Hus, Tschechen und Deutsche. Zum 600. Todesjahr des böhmischen Kirchenreformators

Zwei Vorträge und ein Spielfilm zeigen das Leben und die Wirkungsgeschichte des vor 600 Jahren als Ketzer verbrannten Prager Magisters. Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Deutschen Kulturforums östliches Europa, des Tschechischen Zentrums Berlin und des Passage-Kinos Neukölln.

Ein Jahrhundert vor Martin Luther predigte Jan Hus in Prag nicht auf Latein, sondern in der Sprache des Volkes, auf Tschechisch. Er verurteilte den Reichtum der Kirche, stellte Wahrheit und Gewissen über weltliche Herrschaft. Am 6. Juli 1415 wurde Hus auf dem Kirchenkonzil in Konstanz als Ketzer verbrannt. Seinem Tode folgte der Beginn der Hussiten- und Religionskriege in Europa.

In Deutschland wurden die Lehren des Reformators vielerorts begeistert aufgenommen, später bekannte sich Martin Luther zu ihm. Aber auch in Böhmen gab es deutschsprachige Hussiten, etwa den Taboritenführer Prokop oder Ulrich von Znaim. Das überwiegend deutsch besiedelte Saaz/Žatec war gar eine Hussitenhochburg.

Im Zuge der Selbständigkeitsbestrebungen der Tschechen im 19. Jahrhundert wurde Hus zum Nationalhelden, nach der Gründung der Tschechoslowakischen Republik der 6. Juli zum Feiertag erklärt. Die seit 1948 regierenden tschechischen Kommunisten stellten Hus als ihren Vorläufer dar, was sich im Film von Otakar Vávra spiegelt.

Zwei Vorträge beleuchten Bedeutung und Wirkung des Glaubenserneuerers für die deutsch-tschechische Geschichte innerhalb und außerhalb Böhmens. Zugleich geben sie eine Einführung zum Hus-Film im Anschluss, der durch seine hervorragenden Schauspieler und seine authentisch wirkende Ausstattung zu den Meisterwerken der tschechischen Kinematografie gezählt werden kann.

Das Passage-Kino liegt unweit des Böhmischen Dorfes in der Richardstraße. 1737 fanden hier tschechische Glaubensflüchtlinge Zuflucht – Angehörige der Böhmischen Brüder, die sich auf die Lehren von Jan Hus berufen.

Thomas Krzenck: Johannes Hus – Kirchenreformer oder Repräsentant tschechischen Nationalbewusstseins?
Thomas Krzenck ist promovierter Leipziger Historiker und Jan-Hus-Fachmann. Er veröffentlichte 2011 das Buch „Johannes Hus. Theologe, Kirchenreformer, Märtyrer“, in dem er die Biografie des böhmischen Glaubenserneurers und ihre historischen Hintergründe darstellt. In seinem Vortrag über das Leben von Jan Hus wird Thomas Krzenck besonders auf die Fragen eingehen, wie sehr der Reformer im Zusammenhang einer tschechischen Bewegung in vornationaler Zeit zu sehen ist und inwieweit er auch deutschsprachige Anhänger in Böhmen hatte.

Jan Randák: Das tschechische Hus- und Hussitenbild vor und nach 1989
Jan Randák lehrt am Lehrstuhl für tschechische Geschichte der Karls-Universität Prag. Er ist spezialisiert auf die Erforschung der modernen Erinnerungskultur in Mitteleuropa. Sein Vortrag gibt einen Überblick über die Rezeption des Kirchenreformers durch die Tschechen. Dabei legt er besonderes Augenmerk auf die Zeit des Kommunismus, in der auch der Film von Otakar Vávra entstand. Abschließend zeigt er, wie sich die Wahrnehmung nach 1989 bis zum aktuellen Gedenkjahr 2015 in Tschechien verändert hat.

Jan Hus
(ČSR 1954, 115 Min., Regie: Otakar Vávra, deutsche Fassung)
Der 1954 uraufgeführte Film ist der erste Teil einer »Trilogie über die hussitische Revolution«, dem 1955 Jan Žižka und 1957 Proti všem (Gegen alle) folgten. In seinem berühmten Hus-Film betont der Regisseur die revolutionäre und »nationale« Seite der Bewegung, was unter dem kommunistischen Regime nicht anders möglich war. Durch seine hervorragenden Schauspieler sowie seine authentisch wirkenden Dialoge und Ausstattungen ist Jan Hus dennoch ein Meisterwerk des tschechischen Films geblieben.

Eintritt: 6 €

Deutsches Kulturforum östliches Europa

Passage-Kino Neukölln

Abb.: © Národní filmový archiv

Veranstaltungsort:

Kino Passage, Karl-Marx-Straße 131, 12043 Berlin

Datum:

14.06.2015

Veranstalter:

Das Tschechische Zentrum ist Mitveranstalter


Veranstaltungserinnerung
Eine Erinnerung ist nicht möglich, da die Veranstaltung bereits begonnen hat.