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Tschechische Filme auf der Berlinale

29.1.2015: Im offiziellen Programm der Berlinale sind in diesem Jahr in verschiedenen Sektionen drei Filme zu sehen, die in Tschechien produziert oder koproduziert wurden. In der Reihe Panorama Dokumente läuft Veronika Liškovás Debütfilm „Danielův Svět“ / „Daniel’s World“. Die junge Regisseurin begleitet einen Literaturstudenten mit der Kamera, der darüber nachdenkt, wie er mit seiner sexuellen Prägung als Pädophiler und mit seinen unerfüllbaren Sehnsüchten umgehen kann. Die slowakisch-tschechische Koproduktion „Koza“ in der Regie von Petr Ostrochovský ist ein melancholisches Roadmovie und erzählt von dem Boxer Koza, der noch einmal in den Ring steigt, um dringend benötigtes Geld zu verdienen, obwohl seine Karriere eigentlich schon lange beendet ist. Die tschechische Produktionsfirma Endorfilm steht auch hinter der rumänisch-bulgarisch-tschechischen Koproduktion „Aferim!“, die im Wettbewerb läuft. In dem in schwarz-weiß gedrehten Balkanwestern machen sich ein Gendarm und sein Sohn im Jahre 1835 auf die Suche nach einem entlaufenen „Zigeunersklaven“.

Panorama Dokumente: Danielův Svět / Daniel’s World    
CZ 2014, 74 Min., Regie: Veronika Lišková

Daniel, ein 25-jähriger Literaturstudent, liegt in der Badewanne. Aus dem Off ertönt seine Stimme: „Ich war noch nie mit einem Jungen oder Mädchen zusammen, trotzdem kann ich mich über einen Mangel an Liebe in meinem Leben nicht beklagen.” Doch wie ist es für einen jungen Mann, wenn sich diese Liebe auf kleine Jungen richtet, sein Begehren nie ausgelebt, sich nur auf sexuelle Fantasien beschränken kann oder medikamentös unterdrückt werden muss? Der Film begleitet Daniel bei seinem Kampf um Selbstakzeptanz und der hoffnungslosen Suche nach einem Freund. Über schlichten, wohlkomponierten Bildern, die Daniel beim Frisör, beim Schlittschuhlaufen, beim Gassi gehen mit dem Hund der Mutter zeigen, liegt immer seine Off-Stimme, die selbstreflektierend zu klären versucht, wie er mit seinem Coming-out und seinen unerfüllbaren Sehnsüchten umgehen und ein erfülltes Leben führen kann.
Da sie weder die Stimme ihres Protagonisten verfremden, noch sein Gesicht unkenntlich machen wollte, entschied sich Veronika Lišková nach Treffen mit mehr als 20 pädophilen Männern für Daniel, dem wohl bewusst ist, wie angreifbar er sich macht, der aber trotzdem ungewöhnlich offen mit seiner Prägung umgeht.
Mit Unterstützung des Tschechischen Zentrums Berlin

Mo, 09.02., 17:00, CineStar 7 (engl. UT)
Di, 10.02., 12:00, CineStar 7 (engl. UT)
Do, 12.02., 17:30, Cubix 7 (engl. UT)
Sa, 14.02., 17:00, CineStar 7 (engl. UT)

 

Forum: Koza 
SK, CZ 2015, 75 Min., Regie:  Ivan Ostrochovský
Darsteller: Peter Baláž, Zvonko Lakčevič, Ján Franek, Stanislava Bongilajová, Nikola Bongilajová, Tatiana Piussi            

Koza, die Ziege, nennen sie ihn. Seine besten Tage als Boxer hat er hinter sich. Manchmal schaut er sich seinen Kampf bei der Olympiade 1996 auf Video an. Jetzt braucht er Geld, denn seine Freundin ist schwanger. Deshalb beschließt er, noch einmal in den Ring zu steigen. Sein Boss, für den er sonst Metallschrott sammelt, begleitet ihn als eine Art Box-Impresario auf dieser Tour, die eher Leidensweg als Triumphzug ist. Kozas Körper hält das Training kaum durch, seine Kämpfe verliert er meist in der ersten Runde. Anders als das Leben geht der Film barmherzig mit seinem Protagonisten um. In diesem melancholischen Roadmovie zeigt die Kamera weniger die Boxkämpfe, sondern bleibt backstage, zeigt das unglamouröse Drumherum. Die Fahrten durch winterliche Landschaften, die Tage, an denen es nie richtig hell wird und die Cola im kalten Auto in der Flasche gefriert, das unrühmliche Ende der Kämpfe – all das zeigt der Film in exquisit kadrierten Bildern, die seinem Antihelden einen anderen Raum als den des Boxrings geben. Der slowakische Boxer Peter Baláž, der sich hier selbst spielt, ist ein Glücksfall für den Film. Den Vergleich mit anderen boxenden Filmhelden muss er keineswegs scheuen.

So, 08.02., 20:00, Cubix 9 (engl. UT)
Mo, 09.02., 19:30, CinemaxX 4 (engl. UT)
Di, 10.02., 12:30, Kino Arsenal 1 (engl. UT)
Fr, 13.02., 21:30, CineStar 8 (engl. UT)

 

Wettbewerb: Aferim!
RO, BG, CZ 2015, 108 Min.
Regie: Radu Jude
D: Teodor Corban, Mihai Comanoiu, Cuzin Toma, Alexandru Dabija, Luminita Gheorghiu, Victor Rebengiuc, Alberto Dinache, Mihaela Sirbu, Alexandru Bindea, Adina Cristescu       

Osteuropa, 1835. Zwei Reiter in steiniger Landschaft, mitten in der Walachei. Es sind der Gendarm Costandin und sein Sohn. Gemeinsam suchen sie einen „Zigeunersklaven“, der seinem Bojaren entlaufen ist und sogar eine Affäre mit dessen Frau gehabt haben soll. Während der unerschütterliche Costandin noch jede Situation mit munteren Weisheiten kommentiert, blickt der Junge eher nachdenklich auf die Welt. Auf ihrer Odyssee begegnen sie Menschen unterschiedlicher Nationalität und verschiedenen Glaubens: Türken und Russen, Christen und Juden, Rumänen und Ungarn. Auf allen Seiten gibt es Vorurteile gegenüber den anderen, sie werden von Generation zu Generation weitergegeben. Auch als der „Sklave“ Carfin gefunden wird, ist das Abenteuer noch längst nicht zu Ende…
Eine auf historischen Dokumenten und Liedern beruhende Parabel über das spätfeudale Europa, seine Machtverhältnisse und Hierarchien, das Selbst- und Fremdbild der Völker, den Umgang mit Minderheiten und die Konflikte, die daraus erwachsen. Ein Balkanwestern in Schwarz-Weiß, der die Kakophonie der Zeit lebendig werden lässt und den thematischen Bogen bis in unsere Gegenwart schlägt.

Mi, 11.02., 16:00, Berlinale Palast (dt., engl. UT)
Do, 12.02., 09:30, Friedrichstadt-Palast (engl. UT)
Do, 12.02., 12:30, Haus der Berliner Festspiele (dt., engl. UT)
Do, 12.02., 22:30, Kino International (dt., engl. UT)
So, 15.02., 21:30, Haus der Berliner Festspiele (dt., engl. UT)

Weitere Informationen bei der Berlinale.

 

Bei den diesjährigen Berlinale Talents ist die Tschechische Republik mit dem Regisseur und Drehbuchautor Michal Hogenauer vertreten. Der Dramaturg des Fresh Film Fest hat ein Regiestudium an der Prager Filmhochschule FAMU absolviert.